Abschied nehmen: bewusst und klar
- akaelin
- 3. Aug. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Wieder stand ein Abschied an – diesmal von einer für mich wichtigen Rolle in einem Anstellungsverhältnis.
In den letzten Tagen habe ich mich bewusst in diesen besonderen Raum des Abschieds begeben, bevor ein neuer Abschnitt für mich beginnt. Es ist ein Übergangsraum – geprägt von Rückblick, Würdigung, Loslassen und Neuorientierung.
Warum bewusste Abschiede wichtig sind:
Aus meiner Erfahrung wie auch aus psychologischer Sicht weiss ich, ist es essenziell, das „Alte“ bewusst und würdig zu verabschieden, bevor wir uns dem Neuen öffnen. Abschiede sind keine Randbemerkungen – sie sind innere Prozesse der Integration. Erst wenn wir das, was war, emotional und kognitiv abschließen, kann das Neue wirklich Raum bekommen.
Die moderne Psychologie beschreibt diesen Prozess als einen Teil der sogenannten Transition – also der inneren Verarbeitung von Veränderung (Bridges, 2004). Während äußere Veränderungen oft abrupt geschehen, brauchen innere Übergänge Zeit und Aufmerksamkeit.
„Transition is not the same as change. Change is situational, transition is psychological.“– William Bridges, Transitions: Making Sense of Life’s Changes

Rückschau als Ressource
Ich habe mich daher nochmals ganz bewusst in meine letzten vier Jahre in der HR-Leitungsrolle hineingesetzt:
in Beziehungen und Begegnungen, die mich getragen haben,
in Herausforderungen, die mich gefordert und geformt haben,
in Projekte, die ich mitgestalten durfte,
und in Entwicklungen, auf die ich mit Stolz zurückblicke – sowohl für mich persönlich als auch im Sinne des Unternehmens und der Menschen, die ich begleiten durfte.
Diese Rückschau ist kein sentimentaler Blick zurück, sondern ein respektvolles Innehalten, das mir erlaubt, Gelerntes zu würdigen, Bilanz zu ziehen und auf etwas abzuschließen. Auch Trauer hat dabei ihren Platz – denn Abschied ist auch Verlust.
Der Übergang braucht einen inneren Abschluss
Die Psychologin Verena Kast beschreibt in ihrem Modell der Trauerphasen, wie wichtig es ist, sich diesen Emotionen bewusst zu stellen: von der Nicht-Wahrhaben-Wollen-Phase über Emotionale Aufgewühltheit, Suchen und Sich-Trennen bis hin zur Neuen Bindung (Kast, 1993). Auch im beruflichen Kontext sind das zentrale Phasen – gerade für Führungskräfte in Übergängen.
„Nur wer trauert, kann loslassen. Und nur wer loslässt, kann neu beginnen.“– Verena Kast, Trauern – Phasen und Chancen des psychischen Prozesses
Ein neuer Funke
Und dann – fast unmerklich – fühle ich das Neue. In meinem Fall der innere Funke, der schon länger da ist: die unbändige Freude am selbstbestimmten Tun. Der Wunsch, mein Potenzial frei und mit voller Kraft zu entfalten. Das Neue ist noch zart – aber spürbar. Und es bringt Leichtigkeit, Energie und Perspektive.
Übergänge professionell begleiten
Ich bin überzeugt: Wer Selbst- und Führungsverantwortung trägt, tut gut daran, Übergänge bewusst zu gestalten – sei es bei Jobwechseln, Rollenveränderungen oder Projektabschlüssen. Denn darin liegt enormes Potenzial:
Für persönliche Entwicklung,
für Klarheit in der Kommunikation,
für Vertrauen und Verlässlichkeit im Team,
und für ein gelingendes Integrieren des Neuen.
In meiner Arbeit mit Führungskräften begleite ich genau solche Prozesse – mit Struktur, Raum für Reflexion und der nötigen Portion Menschlichkeit.



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